Menü anzeigen
Ein Rundgang durch 330 Jahre Hotel Elephant Weimar

Die Geschichte eines Elefanten, der alles gesehen hat Ein Rundgang durch 330 Jahre Hotel Elephant Weimar

In diesem Jahr wurde das Hotel Elephant Weimar 330 Jahre alt. Hinter seiner Fassade am Markt liegen neun Räume, die neun Zeiten erzählen. Alle mit ihrer eigenen faszinierenden Geschichte. Ich bin sie abgelaufen, vom Portal bis in den Garten. Eins ist definitiv klar: Kein Museum der Stadt bringt deutsche Geschichte so dicht zusammen wie dieses Hotel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wie alt ist das Hotel Elephant Weimar?

    Das Haus am Markt 19 wurde 1561 erstmals urkundlich erwähnt. Als Gasthof arbeitet es seit 1696. Damit feierte es 2026 sein 330-jähriges Bestehen.
  • Warum heißt das Hotel Elephant?

    Der Name geht vermutlich auf einen Wanderzirkus zurück, dessen Hauptattraktion ein Elefant war. Wappentiere dienten damals als Orientierung, weil viele Menschen weder lesen noch schreiben konnten.
  • Was hat Thomas Mann mit dem Hotel zu tun?

    In seinem Roman „Lotte in Weimar" von 1939 spielt der Gasthof „Zum Elephanten" die Hauptkulisse. Der Kellner Mager bringt das Hotel mit drei Worten in die Weltliteratur. 1955 sorgte Mann außerdem dafür, dass das Hotel nach jahrelanger Schließung wieder öffnete.
  • Kann man das Elephant Weimar besichtigen, ohne dort ein Hotelzimmer zu buchen?

    Ja. Der Lichtsaal im Erdgeschoss steht allen offen, ebenso die Bar, das Restaurant AnnA und die Gartenterrasse. Im Lichtsaal hängt außerdem die hoteleigene Kunstsammlung.

Hereinspaziert in Weimars ältestes Gasthaus

Der Marktplatz von Weimar ist an einem Dienstagvormittag ziemlich beschäftigt. Ein Lieferwagen rangiert, jemand verkauft Blumen, Schulklassen ziehen Richtung Goethes Wohnhaus. Und mittendrin steht ein Gebäude, an dem die meisten vorbeilaufen, weil sie es für ein Hotel halten. Es ist ein Hotel. Markt 19, 99 Zimmer und Suiten, betrieben von arcona Hotels & Resorts.

Es ist aber außerdem der Ort, an dem Schiller nach seiner Premiere zu viel Wein trank, an dem 1946 der Thüringer Landtag zum ersten Mal zusammenkam und an dem Thomas Mann einen Kellner erfand, der bis heute zitiert wird. In den Räumen dieses Gebäudes stapeln sich die Zeitschichten so eng, dass man beim Gehen von einer in die nächste rutscht. Und dieses Jahr rundete sich eine Zahl. 1696 stellte Herzog Wilhelm Ernst die Konzessionsurkunde aus. Seither empfängt das Haus Gäste. Das macht 2026 genau 330 Jahre. Grund genug, einen historischen Rundgang durchs Hotel zu machen.

Denn was erwartet Sie hinter dieser Lobby? Ein Keller, in dem Schiller predigte und in dem 150 Jahre später eine Studentin ihre erste Band gründete. Eine Suite, die für Hitler gebaut wurde und den Namen eines Bauhaus-Malers trägt. Und ein Saal voller Kunst, den bis vor wenigen Jahren schwere Vorhänge verdeckten.

Also lassen Sie uns losgehen. Vom Eingangsportal bis in den Garten, Raum für Raum. Und bekommen Sie einen Eindruck, was das Hotel Elephant Weimar so unverwechselbar macht.

Der Eingang des Hotels Elephant Weimars im Jahre 1920.
Früher stand der Elefant direkt über dem Eingang. Hotel Elephant Weimar im Jahre 1920.

Das Eingangsportal am Markt und wie der Elephant 1696 zu seinem Namen kam

Fangen wir draußen auf dem Marktplatz von Weimar an. Über dem Eingang steht heute kein Elefant. Damals allerdings schon. Der alte Patron, das Wappentier des Gasthauses, wachte jahrhundertelang über der Tür. Heute finden Sie ihn im Treppenhaus der ersten Etage. Warum er umgezogen ist, dazu kommen wir später. Erst einmal zurück zum Anfang.

Die Konzessionsurkunde von 1696

Am 24. Januar 1696 wechselte das Haus den Besitzer und am 17. Februar stellte Herzog Wilhelm Ernst die Konzessionsurkunde aus. Der neue Wirt hieß Christian Andreas Barittig, fürstlicher Mundschenk und führte nebenan bereits den „Schwarzen Bären“. Die Urkunde argumentiert ganz praktisch. Weimar brauche mehr Platz für durchreisende Herrschaften, und ein weiterer Gasthof am Markt bringe der Stadt Nutzen.

Barittig taufte sein zweites Gasthaus auf den Namen “zum Elephanten”. Kluger Schachzug. Ein Elefant weckt Fernweh, wirkt erhaben und lässt sich auch von Menschen erkennen, die kein Wort lesen können. Damals traf man sich eben nicht in der Marktstraße 19, sondern beim Elephanten.

Die Kellerbar im Hotel Elephant Weimar in den 1970er Jahren, mit mehreren Personen sitzend an der Bar
Der Elephantenkeller war schon immer ein Ort, an dem Menschen zusammenkamen. Im Laufe der Jahre hatte er die unterschiedlichsten Funktionen. Kellerbar im Hotel Elephant Weimar, 1970er Jahre.

Der Elephantenkeller, in dem Goethe seinen Madeira trank

Gehen wir durch die Tür und eine Treppe hinunter. Der Elephantenkeller war über Jahrhunderte die gesellige Zentrale des Hotels. Am 2. Oktober 1798 kam Friedrich Schiller aus Jena angereist, weil das Deutsche Nationaltheater „Wallensteins Lager" zum ersten Mal spielte. Nach der Vorstellung feierte er im Gasthaus mit den Schauspielern. Als der Wein zu wirken begann, hielt er die Kapuzinerpredigt. Ich stelle mir das lebhaft vor. Ein Dichter, ein Publikum, das mitgeht.

Goethe gehörte ebenfalls zu den Stammgästen und trank seinen Madeira ausdrücklich im Elephantenkeller. Dort wurde auch sein 80. Geburtstag ausgerichtet, und der Dichter prostete den Feiernden mit seinem Lieblingsgetränk zu. Goethe zu Ehren gibt es in Weimar jedes Jahr ein ganzes Weinfest, anlässlich zu seinem Geburtstag.

Wie die Gruppe „Elefant“ im Keller entstand

Rund 150 Jahre später traf sich an derselben Stelle eine Studentin der Musikhochschule mit ihren Kommilitonen. Sie hieß Ute Freudenberg, und aus den Abenden im Elephantenkeller entstand 1976 ihre erste Band. Der Name lag nahe. Die Gruppe nannte sich Elefant, nach dem Haus, in dem sie sich traf. Sie veröffentlichte zwei LPs und zwölf Singles. 1980 kam „Jugendliebe“ heraus und wurde zu einem der meistgesungenen Lieder der DDR. Zwischen 1980 und 1984 wählte das Publikum Ute Freudenberg viermal zur beliebtesten Sängerin des Landes.

Was dieser Keller im Lauf der Jahrhunderte alles war:

  • Vorratslager mit einem Weinkeller und drei Bierkellern, so listet es das Inventar von 1766
  • Festsaal für Goethes 80. Geburtstag, gefeiert 1829
  • Kellerrestaurant mit eigener Bar, eingebaut beim Neubau von 1938
  • Fluchtweg, denn 1943/44 führte ein Notausgangsstollen als Luftschutzmaßnahme vom Elephantenkeller bis unter den Markt
  • einer der ersten Räume des Hauses, die nach dem Krieg wieder öffneten, im Oktober 1945
  • Nachtclub Bajadere zu DDR-Zeiten, benannt nach den Tänzerinnen Indiens, wo man Elefanten seit jeher verehrt
  • Gründungsort der Gruppe Elefant im Jahr 1976, aus der Ute Freudenberg und „Jugendliebe“ hervorgingen

Ein Keller, drei Jahrhunderte, immer dasselbe Prinzip. Hier kommen Menschen zusammen, und etwas Großartiges entsteht.

Die Lobby des Hotel Elephant Weimar 1967 mit Empfang und verschiedenen Personen.
Von einer Poststation zur Lobby des Hotels – die Wohnhalle war schon immer ein belebter Ort. Lobby Hotel Elephant Weimar 1967.

Die Wohnhalle und die Poststation, die Weimar zum Musenhof machte

Zurück die Treppe hinauf ins Erdgeschoss. Warum sich hier überhaupt so viele Menschen trafen, hat mit Pferden und Postkutschen zu tun. Wo Sie heute in der Wohnhalle sitzen, stand ab 1741 der eigentliche Motor des Gebäudes. Besitzer Georg Friedrich Krause richtete dort eine Poststation ein.

Das klingt nach Verwaltung, war aber ein Wirtschaftsprogramm. Denn wo die Post haltmacht, halten auch Kaufleute und Händler. Weimar war bis dahin landwirtschaftlich geprägt, mit der Poststation kam Geld in die Stadt. Dazu holten Herzog Carl August und seine Mutter, Herzogin Anna Amalia, nacheinander Herder, Wieland, Goethe und schließlich Schiller nach Weimar. Aus beidem zusammen wurde der Ruf des Weimarer Musenhofs.

Wieland selbst schrieb im Jahr 1800 an Fräulein von Göchhausen, eine Hofdame Anna Amalias, man habe ihm ein geheiztes Zimmer im Elephanten als die beste Wahl empfohlen. Der Komponist Carl Friedrich Zelter kündigte Goethe zwanzig Jahre später an, er steige lieber in seinem guten Elephanten ab, weil es ihm dort immer gut ergangen sei.

Im 19. Jahrhundert trug sich hier ein, wer Rang hatte. Der zwölfjährige Felix Mendelssohn Bartholdy mit seinem Lehrer. Clara Schumann. Franz Liszt. Richard Wagner. Leo Tolstoi. Hans Christian Andersen.

Balkon des Hotel Elephant Weimars zur Harry-Graf-Keßler-Suite Feier 2008.
Die Balkonfiguren besetzen diesen Ort mit einer neuen Bedeutung und wurden unterschiedlichen Persönlichkeiten gewidmet. Hotel Elephant Weimar, Harry-Graf-Keßler-Suite Feier 2008.

Der Balkon und das Hotel Elephant Weimar in der NS-Zeit

Im 20. Jahrhundert hörte das Haus auf, für alle offen zu sein. Es fing an, auszuwählen, wer hineindurfte. Gehen wir dafür noch einmal vor die Tür und schauen nach oben. Der Balkon über dem Eingang gehört zu einem Neubau, den die NSDAP in Auftrag gab.

Bauhaus und NSDAP im selben Haus

Ab 1919 hatte sich Weimar in zwei Richtungen gleichzeitig entwickelt. Das Staatliche Bauhaus wurde gegründet, die Weimarer Verfassung verabschiedet. Walter Gropius, Johannes Itten und später Oskar Schlemmer stiegen im Elephant ab. Parallel gewann die NSDAP in Thüringen an Zuspruch. Adolf Hitler nächtigte erstmals am 3. Juli 1926 im Hotel Elephant Weimar. Rund 40 Aufenthalte sollen es insgesamt gewesen sein. Er wählte Weimar bewusst, um sich in die Reihe der berühmten Gäste zu stellen. Hoteldirektor Paul Leutert schloss sich der Bewegung an und verhängte ein Verbot für jüdische Gäste.

Abriss 1937 und Neubau durch Hermann Giesler

1937 ließ Fritz Sauckel das über 400 Jahre alte Gebäude abreißen. Er war Gauleiter, also oberster NSDAP-Funktionär für Thüringen. Den Neubau entwarf Hermann Giesler. Grundsteinlegung am 3. November 1937, Richtfest am 20. April 1938, Einweihung am 5. November 1938. Drei Tage nach Hitlers Abreise aus Weimar begann die Reichspogromnacht. Bei diesem Umbau verlor der Elefant seinen Platz über der Tür. An seine Stelle setzte man den Reichsadler, das gewölbte Renaissanceportal wich einem kantigen Eingang, und darüber kam der Balkon.

Überstanden hat der alte Patron das trotzdem. Er steht heute im Treppenhaus der ersten Etage, genau dort, wo wir ihn zu Beginn dieses Rundgangs gesehen haben. Wann und auf welchem Weg er dorthin kam, ob gleich beim Abriss gerettet oder erst Jahrzehnte später zurückgeholt, ist nicht überliefert.

Wie die Balkonfiguren den Ort umdeuten

Das Hotel hat diesen Balkon nicht abgerissen und auch nicht verschwiegen, sondern ihn neu besetzt. Anlässlich des Kulturhauptstadtjahres 1999 startete Hoteldirektor Paul J. Kernatsch eine Kampagne, die den Balkon mit Figuren bestückte. Sie stellen jene Persönlichkeiten dar, durch die Weimar zum Zentrum für Poesie, Philosophie und Kunst wurde. Gebaut hat sie Rainer Zöllner, Kascheur am Deutschen Nationaltheater Weimar, also der Handwerker, der im Theater die Figuren und Requisiten formt.

Den Auftakt bildeten Figuren von Goethe und Schiller, es folgten Johann Sebastian Bach und Henry van de Velde. Später kamen Lyonel Feininger, Lilli Palmer, Johann Daniel Falk, das Ehepaar Gropius, Harry Graf Kessler und Thomas Mann hinzu. Wen der Balkon aufnahm, richtete sich nach den Themensuiten im Haus und nach den runden Jahrestagen der Geehrten. Alle blickten auf den Marktplatz. Der Raum, der zu diesem Balkon führte, wurde 2002 zur Thomas-Mann-Suite umgebaut.

Hotelzimmer 100 Beleage-Suite, 1990 im Hotel Elephant Weimar.
Die Suite 100 hat im Laufe der Geschichte ihren Namen gewechselt. Hotelzimmer 100 Beleage-Suite, 1990.

Von Suite 100 zur Lyonel-Feininger-Suite

Die Idee, belastete Orte nicht zu verschweigen, sondern ihnen eine neue Bedeutung zu geben, zeigt sich nicht nur am Balkon. Ein Stockwerk höher liegt Suite 100. Ursprünglich war sie für Hitler geplant. Rund fünfzig Jahre später saßen der damalige Direktor Paul J. Kernatsch und der Rocksänger Udo Lindenberg zusammen, verbunden durch eine lange Freundschaft, und entwickelten eine Idee. Man widmet die Suiten des Hotels wichtigen Persönlichkeiten Weimars und besetzt damit jenen Raum neu, der für Hitler vorgesehen war.

Die Hausgeschichte vom Hotel Elephant Weimar, die die Kulturmanagerin Claudia Dell 2022 im Wartburg Verlag herausgab, beschreibt das als bewusste Gegenbesetzung, mit der sich das Haus seiner Vergangenheit im Sinne demokratischer Europäer stellt. Von 1998 bis 2006 lief Suite 100 unter Lindenbergs Namen.

Nach und nach zogen Arbeiten von ihm in die Räume ein, darunter Likörelle. So nennt Lindenberg seine Bilder, ein Kunstwort aus Likör und Aquarell. Er mischt farbige Liköre unter die Malfarbe, Blue Curaçao fürs Blau, Eierlikör fürs Gelb, und 1997 ließ er den Begriff als Wortmarke schützen.

Von Udo Lindenberg zu Lyonel Feininger

2006 wechselte die Widmung. Lindenberg wurde feierlich abgelöst, seither trägt die Suite 100 den Namen Lyonel Feiningers. Der Maler lebte von 1871 bis 1956, leitete am Bauhaus als erster Meister die Druckwerkstätten und kam über Jahre immer wieder in den Elephanten. Der Zeitpunkt war kein Zufall, denn sein erster Besuch jährte sich zum 100. Mal. Zur Einweihung kam der US-amerikanische Botschafter William Robert Timken Junior. Heute tragen drei große Suiten im Hotel die Namen von Lyonel Feininger, Thomas Mann und Walter Gropius.

Aufnahme des Lichtsaals des Hotel Elephant Weimars in den 1970er Jahren.
Der Lichtsaal gewann seinen Namen durch den Umbau des Daches und war auch früher schon ein Ort für Feierlichkeiten und Veranstaltungen. Lichtsaal Hotel Elephant Weimar, 1970er Jahre.

Der Lichtsaal mit Kunstsammlung und Kulturprogramm

Gehen wir wieder nach unten. Der größte Raum des Hotels hat sich ebenfalls verändert, allerdings erst vor wenigen Jahren. Der Saal in der Mitte des Hauses hieß bis 2018 Richard-Wagner-Saal und diente als Tagungs- und Bankettraum. Hotelgäste, Weimarerinnen und Weimarer kamen nur zu bestimmten Anlässen hinein, etwa zu einer Tagung oder einem Bankett. Den Rest der Zeit blieben die Vorhänge zugezogen und die Türen verschlossen. Vorher hatte er allerdings schon Geschichte geschrieben. Am 21. November 1946 kam hier der Thüringer Landtag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.

Vom Richard-Wagner-Saal zum Lichtsaal

Bei der Renovierung 2018 entfernte man die Vorhänge. Aus dem Bankettsaal wurde der Lichtsaal, benannt nach der Glasdecke, und aus einem geschlossenen Raum ein öffentlicher Ort. Heute zieht einen das Licht aus diesem Saal beim Betreten fast von selbst nach hinten. Die Sichtachse zieht vom Portal am Markt über die Wohnhalle und den Lichtsaal bis ins Restaurant AnnA und weiter auf die Gartenterrasse in der Puschkinstraße.

Die Kunstsammlung im Hotel Elephant Weimar

An den Wänden hängt die Kunstsammlung des Hauses dicht an dicht und in mehreren Reihen übereinander. Man nennt dies Petersburger Hängung, nach dem Zarenpalast in Sankt Petersburg, wo man so zeigte, wie viel man besaß.

Zu sehen sind Baselitz, Lüpertz, Elvira Bach und Rainer Fetting, dazu Max Beckmann, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger. Deren Kunst erklärten die Nationalsozialisten für „entartet" und nahmen ihnen damit die Arbeitsgrundlage. Heute hängen sie in dem Hotel, das dasselbe Regime neu bauen ließ. Der Nibelungen-Zyklus von Jiří Georg Dokoupil entstand 1993 eigens für den damaligen Richard-Wagner-Saal, gemalt mit Kerzenruß über einer Flamme.

Und heute? Ganzjährig donnerstags von 12.30 bis 13.00 Uhr spielen junge Künstlerinnen und Künstler des Instituts für Alte Musik der Hochschule für Musik FRANZ LISZT im Lichtsaal Bach und Barockmusik. KlangPause heißt die Reihe, und wird veranstaltet von der Bach Biennale Weimar. Schauen Sie unbedingt an einem der Termine vorbei! Der Ort passt dafür wie kaum ein zweiter.

Direkt neben dem Hotel stand das Wohnhaus der Familie Bach, in dem Johann Sebastian Bach von 1708 bis 1717 selbst musizierte. Heute liegt dort der Hotelparkplatz, darunter aber haben sich die Renaissance-Kellergewölbe erhalten. Sie gelten als die einzigen baulichen Zeugen einer Bach-Wohnstätte weltweit.

Innenaufnahme mit Tischen und Stühlen des Restaurant AnnA im Hotel Elephant Weimar.
Das Restaurant AnnA war auch schon früher ein Teil des Hauses und wurde von jeher durch die Arbeit großartiger Köche getragen.

Restaurant AnnA und die Küche von Johannes Wallner

Vom Lichtsaal führt die Sichtachse geradeaus weiter, ins Restaurant AnnA. Sie gehen also vom Markt aus quer durch das Gebäude, bis Sie im Erdgeschoss hinten ankommen, wo der Blick in den Garten geht. AnnA hieß das Restaurant nicht immer. Zu DDR-Zeiten baute man die Hotelhalle zum Unterhaltungsrestaurant Stadt Weimar um, daneben lief das Restaurant Belvedere. Ab 1993 kochte Marcello Fabbri hier im Gourmetrestaurant Anna Amalia.

Seit der Wiedereröffnung 2018 steht AnnA über der Tür, eine verkürzte Form desselben Namens und weiterhin eine Verbeugung vor der Weimarer Herzogin. Die kulinarische Tradition ist allerdings deutlich älter. Schon die Erlaubnis von 1696 verlangte, dass das Hotel genug Platz und Verpflegung für Durchreisende, deren Begleitung und für alle übrigen Reisenden bereithält. Das Bewirten gehörte also von Anfang an zum Auftrag, nicht nur das Beherbergen.

Buchenwald-Überlebende zu Gast im Restaurant AnnA

2005 jährte sich die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald zum 60. Mal. Zum Gedenken überließ das Haus seine Räume den ehemaligen Häftlingen. Seither treffen sich hier alle fünf Jahre Überlebende, US-Veteranen und Zeitzeugen. Einer von ihnen war Jorge Semprún, spanischer Schriftsteller und selbst Häftling in Buchenwald. Volkhard Knigge, damals Leiter der Gedenkstätte, lud ihn vorsichtig zum Essen ins Hotel ein. Vorsichtig deshalb, weil dasselbe Haus Hitler jahrelang als Ehrengast geführt hatte. Semprún antwortete: „Hitler ist tot, und wir leben noch. Und ich habe gehört, der Koch soll sehr gut sein."

Die Küche führt seit Herbst 2018 Johannes Wallner, geleitet wird das Restaurant von Katrin Kühn.

Als Lilli Palmer für „Lotte in Weimar“ im Hotel Elephant drehte

Ein Raum weiter, in der Bar, hängt eine Fotogalerie. Der bekannteste Satz über dieses Haus stammt aus „Lotte in Weima“, und für die Verfilmung kam die Produktion 1974 genau dorthin, wo der Roman spielt. Vom 28. bis 30. Oktober drehte Egon Günther hier Teile der DEFA-Verfilmung, mit Lilli Palmer als Charlotte Kestner. Das Filmteam verkleidete den Eingang am Markt mit Vorbauten, blendete historische Fenster vor und schüttete Sand auf das Pflaster. Das Haus wirkte also mit, statt zuzuschauen. 2004 widmete es seiner Hauptdarstellerin ein eigenes Zimmer.

Am Ende des Films fährt eine Kutsche vor. Der Hoteldiener Mager hilft der Dame heraus und begreift, wen er da gerade am Arm hat. Charlotte Kestner, geborene Buff, war Goethes Jugendliebe aus Wetzlar und wurde sein Vorbild für die Lotte im „Werther“. Mager sucht ein Wort für diesen Moment und findet keines, das groß genug wäre. Also erfindet er eins. Es sei buchenswert, sagt er. Wert, in die Bücher des Hauses einzugehen.

Schwarz-weiß Aufnahme der Gartenterrasse des Hotel Elephant Weimars von 1966 – 1975.
Die Gartenterrasse war in den 60er- und 70er-Jahren ein beliebter Ort für Partys und Gesellschaften im kleinen Rahmen.

Die Gartenterrasse am Ende des Rundgangs

Bleibt unser letzter Punkt auf unserem historischen Rundgang. Den Garten gibt es länger als fast alles andere hier. Schon das Inventar von 1766 führte ihn auf, damals mit drei Gartenhäuschen. Und einmal hat er eine Rolle gespielt, die man ihm nicht ansieht. Als Hitler sich im Neubau ein eigenes Appartement wünschte, verlangte er ausdrücklich einen Blick in den Garten, abseits des geschäftigen Hotelbetriebs.

Heute schließt die Gartenterrasse die Sichtachse ab, die 2018 quer durch das Haus gelegt wurde. Eine grüne Oase und ein Ort für den gemütlichen Rückzug, im Unterschied zur Marktterrasse, auf der man sieht und gesehen wird. Hinsetzen darf sich dort inzwischen jeder.

Am Ende fällt auf, was dieses Hotel eigentlich ausmacht. Es hat sich nie versteckt. Nicht hinter seiner Klassik, nicht hinter seiner NS-Vergangenheit, nicht hinter seiner DDR-Zeit. Damals gehörte es zur staatlichen Interhotel-Kette für Reisende aus dem Westen, hatte einen Intershop im Haus, in dem man nur mit Devisen einkaufte, und unten lief der Nachtclub Bajadere. Alles hängt an den Wänden oder trägt einen Namen an der Tür.

Der Lichtsaal des Hotel Elephant Weimars mit einer Kunstsammlung an den Wänden und modernem Interior Design.
Heute sieht man die Geschichte des Elephant Weimars noch immer im Haus. In den Räumen, an den Wänden.

Das Elephant heute, zwischen Geschichte und Gegenwart

So viel Vergangenheit könnte ein Haus lähmen. Hier ist davon nichts zu merken. Betrieben wird das Haus seit der Wiedereröffnung 2018 von arcona Hotels & Resorts. Hoteldirektor ist seit Februar 2020 Stefan Schwind, der auf nahezu drei Jahrzehnte Erfahrung in der internationalen Luxushotellerie zurückblickt. Weimar kennt er aus seiner Zeit im dortigen Hilton.

Rund siebzig Menschen arbeiten heute im Hotel Elephant Weimar. Und es wird gefeiert. Im Lichtsaal finden bis zu 180 Gäste Platz, geheiratet wird hier ebenfalls. Sechsmal im Jahr legt in der Bar ein DJ auf, beim Dancing Elephant. Zu den Gastkoch-Abenden holt Johannes Wallner Kolleginnen und Kollegen an seinen Herd, 2026 unter anderem Franz Keller, Max Strohe, Ralf Zacherl, Stefan Marquard, Mario Kotaska und Martin Baudrexel.

Auch die Branche hat das bemerkt. 2024, 2025 und 2026 kam das Haus auf die Liste der 101 besten Hotels Deutschlands, und im selben Jahr wählte der Aral Schlemmer Atlas Johannes Wallner unter die 50 besten Köche des Landes. Die Gäste kommen nach wie vor aus aller Welt, aus Politik, Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft. Dazwischen sitzen Weimarerinnen und Weimarer bei ihrem Kaffee im Lichtsaal, Hochzeitsgesellschaften, Tagungsteilnehmer, Leute, die wegen Goethe da sind, und Leute, die wegen der Disco kommen. Wer im Elephant übernachtet, wohnt zwischen Seemannskoffern, Art déco und Originalen von Baselitz und Elvira Bach.

Doppelbett in der Thomas Mann Suite im Hotel Elephant Weimar.
Verbringen Sie Ihre Übernachtung doch direkt im Hotel Elephant und erleben die Geschichte des Hauses, welches mehrere hundert Jahre hinter sich hat. Zum Beispiel in der Thomas Mann Suite.

Besuchen Sie Weimar und das Hotel Elephant

Weimar laufen Sie an zwei Tagen ab und haben es in zwei Wochen nicht ausgeschöpft. Goethe, Schiller, das Bauhaus, der Park an der Ilm, dazwischen Cafés, in denen Sie die Zeit vergessen. Und mittendrin steht ein Haus, das seit 330 Jahren mitwirkt.

Wohnen Sie doch gleich darin. Die 99 Zimmer und Suiten gestaltete Bost Interior Design, die Farbwelt richtet sich nach Goethes Farbenlehre, Art déco und Bauhaus geben den Ton. Und falls Sie in einem Stück dieser Geschichte übernachten wollen, denken Sie an Suite 100. Diese Geschichte buchen Sie so kein zweites Mal.

Sie müssen übrigens nicht Hotelgast sein, um in das Hotel Elephant Weimar hineinzugehen. Der Lichtsaal steht allen offen. Besucher nennen das Hotel „Weimars Wohnzimmer", und genau so war die Öffnung 2018 gedacht. Setzen Sie sich, schauen Sie an die Wände und lassen Sie die Geschichte des Hotels auf sich wirken.

Oder machen Sie einen ganzen Abend daraus. Ein Glas Champagner an der Bar, ein Blick in die Weinkost nebenan, wo das Haus seine Flaschen und ein paar hausgemachte Mitbringsel führt, und davor ein Essen im AnnA. Bei einem der fünfzig besten Köche Deutschlands zu Tisch zu sitzen, ohne dafür die Stadt verlassen zu müssen, bekommt man selten geboten.

Mehr arcona mit my arcona

Mehr arcona mit my arcona

Teil von my arcona zu sein, bedeutet für uns Erinnerungen zu schaffen, miteinander Zeit zu verbringen und gemeinsam Spaß zu haben. Mit der Anmeldung werden Sie automatisch über aktuelle Angebote informiert und erhalten 10 % Ermäßigung auf Ihre Buchung.

Terrasse mit Ausblick auf das Meer, Holzmöbel und mediterrane Landschaft im Barefoot Hotel Mallorca.

Barefoot Hotel Mallorca

Moderne Lobby mit geschwungener Treppe, stilvollen Sesseln und elegantem Dekor im Elephant Hotel Weimar.

Hotel Elephant Weimar

Leseecke mit Ledersessel, umgeben von Pflanzen und Bücherregalen im Hotel Kaiserhof Heringsdorf.

Hotel Kaiserhof Heringsdorf

Sonniger Balkon mit Rattanmöbeln im Koopmanns Hotel und Lädchen auf Rügen mit Ausblick auf die Umgebung.

Koopmanns Hotel und Lädchen

Sonnige Terrasse des Künstlerquartiers Seezeichen in Ahrenshoop mit Sitzgelegenheiten und grüner Umgebung.

Künstlerquartier Seezeichen

Moderne Sitzecke im Vju Hotel Rügen mit hellem Sessel, Holzbeistelltisch und großer Fensterfront.

Vju Hotel Rügen

Moderne Terrasse des Wyn Strandhotels Sylt mit weißen Sitzpolstern und Blick auf das Meer und Dünen.

Wyn. Strandhotel Sylt