Wind, Wasser und Geschichte Rügens rauen Norden am Kap Arkona spüren
Ganz oben auf Rügen, dort, wo die Insel ausläuft, wartet einer der wohl eindrucksvollsten Orte der Insel. Hier geht’s nicht nur hoch auf zwei Leuchttürme, sondern auch tief in den Bunker. Was sich am Kap Arkona am meisten lohnt und warum er nicht der nördlichste Punkt Rügens ist, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Das Wichtigste in Kürze
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Was ist das beeindruckende am Kap Arkona?
Eine bis zu 45 Meter hohe Steilküste, zwei historische Leuchttürme, ein unterirdisches Bunkersystem und die Reste der slawischen Jaromarsburg liegen hier dicht beieinander. Dazu kommen das Fischerdorf Vitt und Rügens tatsächlich nördlichster Punkt. -
Was kostet der Eintritt zum Kap Arkona?
Das Gelände selbst ist kostenlos zugänglich. Eintritt zahlen Sie nur für einzelne Attraktionen wie Leuchtturm, Peilturm oder Bunker, mit der Kap Arkona Card meist günstiger als einzeln. -
Kann man mit dem Auto zum Kap Arkona fahren?
Nein, das Gebiet rund um die Leuchttürme ist autofrei. Ihr Ziel ist der Parkplatz in Putgarten. Von dort geht es zu Fuß, mit dem Rad oder mit der Arkonabahn weiter. -
Wie weit ist es vom Parkplatz bis zum Kap Arkona?
Vom Parkplatz in Putgarten sind es rund 2,5 Kilometer bis zu den Leuchttürmen. Für einen Besuch mit Türmen, Bunker und Vitt sollten Sie drei bis vier Stunden einplanen.
Darum geht´s
- Ein Kap wie aus einer anderen Zeit
- So kommen Sie zum Kap Arkona
- Mit der Arkonabahn entspannt zu den Türmen
- Rügens Leuchttürme mit fast zweihundert Jahren Geschichte
- Der Peilturm für das beste Leuchtturmfoto
- Welcher der Türme am Kap Arkona lohnt sich am meisten?
- Die Jaromarsburg, die langsam im Meer verschwindet
- Hinunter in den Bunker des Kap Arkona
- Für wen lohnt sich ein Besuch des Kap Arkonas am meisten?
- Der nördlichste Punkt Rügens – nicht Kap Arkona
- Über die Veilchentreppe hinunter zur Küste
- Ein Abstecher ins Fischerdörfchen Vitt
- Noch mehr Ausflugsziele nach dem Kap Arkona
- Mehr als nur ein Fotostopp
Ein Kap wie aus einer anderen Zeit
Kap Arkona ist die nördlichste Landspitze der Halbinsel Wittow und damit auch der nördlichste Zipfel Rügens. Genau auf dieser schmalen Landzunge, die sich hier gigantisch 45 Meter über die Ostsee erhebt, stehen die beiden berühmten Leuchttürme und der Peilturm dicht beieinander, gleich daneben liegen die Überreste einer slawischen Kultstätte und ein unterirdisches Bunkersystem.
Auf dem Kap angekommen, haben Sie eine wunderbare Sicht übers Meer und vor allem ganz viel Ruhe – die Umgebung rund ums Kap Arkona ist nämlich autofrei. Wer den Kopf einfach mal freikriegen will, ist hier richtig!
So kommen Sie zum Kap Arkona
Zum Kap Arkona kommen Sie am besten mit dem Rad oder mit der Arkonabahn. Mit dem Auto können Sie bis zum Parkplatz in Puttgarten fahren. Wie Sie am entspanntesten hinkommen, hängt vor allem davon ab, wie viel Zeit Sie mitbringen und wie viel Sie laufen möchten.
Mit dem Auto bis Putgarten
Mit dem Auto endet die Fahrt in Putgarten. Dort liegt ein großer Parkplatz, hinter dem es schlagartig ruhiger wird. Von hier aus laufen Sie, nehmen das Rad oder steigen in die Arkonabahn.
Mit dem Rad durch Alleen und offenes Land
Wer zwischen Binz und dem Kap mit dem Rad unterwegs ist, erlebt Rügen von seiner ruhigsten Seite. Lange Alleen, offene Felder, kleine Dörfer, genau das Inselgefühl, bei dem der Weg fast wichtiger wird als das Ziel. Mein Tipp: Weniger schön ist die L301 auf der Westseite bis Bergen, da dort viele Autos unterwegs sind. Umfahren Sie den Bereich also am besten.
Mit der Arkonabahn entspannt zu den Türmen
Zwischen Putgarten, den Türmen und dem Fischerdörfchen Vitt pendelt die kleine, rot-weiße Wegebahn. So können Sie also ganz flexibel entscheiden, ob Sie vielleicht eine Strecke laufen und die andere lieber fahren möchten. Und eine holprige Fahrt Bimmelbahn ist dabei einfach nochmal etwas viel Spannenderes als eine Fahrt mit dem Auto. Vor allem für die Kleinen beginnt das Abenteuer Kap Arkona damit schon bei der Anreise.
Rügens Leuchttürme mit fast zweihundert Jahren Geschichte
Zwei Leuchttürme, ein Peilturm, dahinter nichts als Himmel und Ostsee, kaum ein Motiv steht so sehr für den Norden der Insel. Bevor es an die Frage geht, welcher Turm sich für Sie am meisten lohnt, lohnt sich erst ein Blick auf ihre Geschichte.
Der Schinkelturm, der elegante Oldtimer
Der kleinere der beiden Türme stammt aus dem Jahr 1826 und wurde nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel gebaut. Neben seinem großen Nachbarn wirkt er fast zierlich. Gerade das macht ihn so charmant. Bis 1905 wies sein Licht den Schiffen den Weg, heute ist er vor allem ein Denkmal und manchmal sogar Kulisse des schönsten Tages des Lebens: Im Schinkelturm kann man nämlich heiraten.
Der neue Leuchtturm und der große Weitblick
Direkt daneben geht es höher hinaus. Nach 164 Stufen stehen Sie auf einer Aussichtsplattform mit atemberaubendem Blick über Wittow und die Ostsee. Bei klarer Sicht reicht der Blick sogar bis zur dänischen Insel Møn. Rechnet man Turm und Steilküste zusammen, befinden Sie sich rund 75 Meter über dem Meer.
Der Peilturm für das beste Leuchtturmfoto
Der Peilturm am Kap Arkona wird oft übersehen, dabei ist er laut Tipps von Insidern und echten Kennern genau der Ort, von dem aus Sie die besten Fotos machen können. Von der Aussichtsplattform aus bekommen Sie genau das Motiv vor die Linse, das unten am Kap kaum einzufangen ist: zwei Leuchttürme, dahinter Meer und Himmel.
Welcher der Türme am Kap Arkona lohnt sich am meisten?
Wer möglichst viel an einem Tag sehen will und nicht ewig Zeit hat oder wer einfach keine Lust hat, 164 Stufen zu gehen, sucht sich vor dem Trip zum Kap Arkona am besten genau das aus, was sich für ihn wirklich lohnt.
- Wenn Sie möglichst hoch hinaus möchten und den weitesten Blick suchen, nimmen Sie den neuen Leuchtturm. 164 Stufen sind zwar etwas Beinarbeit, belohnt wird man dafür aber mit einem Panorama über die gesamte Halbinsel Wittow, bei klarer Sicht sogar bis nach Dänemark.
- Wenn Sie beide Leuchttürme zusammen fotografieren wollen oder keine Lust auf lange Treppen haben, steigen Sie stattdessen auf den Peilturm, der Weg dorthin ist deutlich entspannter. Oben angekommen wartet außerdem ein kleiner Laden mit Kaffee und Alpaka-Wollwaren, ein schöner Grund für eine Pause mit Aussicht.
- Sie interessieren sich vor allem für Geschichte und Architektur? Dann sind Sie beim Schinkelturm richtig. Auch ohne ihn zu besteigen, lohnt sich ein Blick von außen. Fast zweihundert Jahre Baugeschichte und die Möglichkeit, hier sogar zu heiraten, machen ihn zu einem Ort mit ganz eigenem Charme.
Die Jaromarsburg, die langsam im Meer verschwindet
Direkt neben den Türmen liegen die Reste der Jaromarsburg, einer ehemaligen slawischen Kultstätte der Ranen. Um die Burg tummeln sich spannende Sagen und Gerüchte. Man sagt zum Beispiel, dass im Zentrum mal ein Tempel des Gottes Svantevit gestanden hat. Manche glauben daran, andere sehen hier einfach die Reste einer Burg, die im 12. Jahrhundert von den Dänen erobert und zerstört wurde.
Neben der damaligen Zerstörung tragen auch Wind, Wellen und Küstenabbrüche dazu bei, dass heute von der Jaromarsburg nicht mehr viel übrig ist. Seitdem wird das Hochufer nämlich Stück für Stück abgetragen und die Burg verschwindet nach und nach im Meer.
Hinunter in den Bunker des Kap Arkona
Nur wenige Meter von den Leuchttürmen entfernt führt eine Treppe in eine völlig andere Welt, die man von außen gar nicht erahnen würde. Zwei ehemalige militärische Bunkeranlagen liegen unter dem Kap, der kleinere Arkona-Bunker, der bereits und der bereits 1915 gebaut wurde und der deutlich größere Marineführungsbunker.
Im Marineführungsbunker können Sie noch immer ehemalige Arbeitsräume und technische Anlagen besichtigen. Das Beeindruckendste ist der Kontrast der beiden Welten. Eben standen Sie noch mit Blick über die Ostsee auf der Steilküste, wenige Minuten später laufen Sie durch kalte Betonräume und lange, unterirdische Gänge. Bei schlechtem Wetter ist der Bunker deshalb eine besonders gute Ergänzung zum Programm. Eine Jacke sollten Sie trotzdem mitnehmen, unter der Erde wird es nämlich kühl.
Für wen lohnt sich ein Besuch des Kap Arkonas am meisten?
Ehrlich gesagt, für fast jeden, nur eben aus ganz unterschiedlichen Gründen. Ob mit Kindern, Hund oder ganz allein unterwegs, das Kap hat für jede Reiseart seine eigenen kleinen Highlights parat.
Für alle, die Urlaub mit Kindern machen
Für Kinder ist oft schon die Arkonabahn selbst ein Highlight. Das Hin- und Herruckeln auf den Schienen sorgt meist für mehr Begeisterung als der Leuchtturm selbst. Dazu kommen die Türme zum Erklettern, kurze Küstenwege ohne anstrengende Steigungen und genug Abwechslung, um einen halben Tag locker zu füllen, ohne dass Langeweile aufkommt. Weitere Ideen für den Familienurlaub auf der Insel finden Sie unter Rügen mit Kindern.
Für diejenigen, die mit Hund unterwegs sind
Auch der vierbeinige Begleiter ist am Kap willkommen. Kleine Hunde dürfen in der Arkonabahn sogar als Handgepäck mitfahren, größere laufen einfach nebenher. Die langen Spazierwege entlang des Hochufers, mit viel Wind, weitem Blick und wenig Trubel abseits der Hauptattraktionen, machen das Kap zu einem besonders schönen Ziel mit Hund. Weitere hundefreundliche Ausflugsziele auf der Insel gibt es bei den Reisezielen mit Hund.
Für Alleinreisende
Wer alleine reist, findet entlang des Hochufers genug ruhige Stellen, um einfach eine Weile aufs Meer zu schauen, ohne dass gleich jemand danebensteht. Gerade außerhalb der Hauptzeiten, am frühen Morgen oder späten Nachmittag, funktioniert das Kap deshalb auch sehr gut als Ziel für einen entspannten Ausflug alleine, mit genug Raum für Gedanken Mehr Inspiration für die Auszeit zu zweit mit sich selbst gibt es unter Alleinreisende.
Der nördlichste Punkt Rügens – nicht Kap Arkona
Der Irrglaube, dass das Kap Arkona der nördlichste Punkt der Insel sei, hält sich wacker. Geografisch stimmt das aber nicht ganz. Von der Jaromarsburg aus führt ein kurzer Weg weiter Richtung Gellort. Unten im Wasser liegt dort der große Findling Siebenschneiderstein, und genau hier befindet sich Rügens tatsächlich nördlichster Punkt.
Der Weg dorthin fühlt sich spürbar ruhiger an als der Trubel rund um die Leuchttürme. Kein Turm, kein Gedränge, nur Hochufer, Ostsee und ein riesiger Stein im Wasser. Ein kleiner Umweg, der sich lohnt, und mit dem Sie beim nächsten Insel-Talk garantiert punkten.
Über die Veilchentreppe hinunter zur Küste
Südlich der Jaromarsburg führt die Veilchentreppe des Kap Arkona durch das Steilufer hinunter Richtung Strand. Ihren Namen verdankt sie den Veilchen, die im Frühling rund um den Weg blühen.
Der Abstieg ist stellenweise steil und uneben, eröffnet dafür aber eine ganz andere Perspektive: Statt von oben auf die Ostsee zu schauen, ragt das Hochufer plötzlich über Ihnen auf.
Sicherheit geht vor
Da die Küste hier ständig in Bewegung ist, sollten Sie Absperrungen und Warnhinweise unbedingt beachten. Immer wieder brechen Teile des Steilufers ab, gerade nach starkem Regen oder Frost kann sich die Küstenlinie innerhalb weniger Tage spürbar verändern. Die frühere Königstreppe weiter nördlich ist bereits seit Jahren gesperrt, da dieser Abschnitt als besonders instabil gilt. Halten Sie sich deshalb auf dem markierten Weg und meiden Sie den direkten Aufenthalt unmittelbar an der Abbruchkante.
Ein Abstecher ins Fischerdörfchen Vitt
Unterhalb des Hochufers liegt Vitt, ein winziges, denkmalgeschütztes Fischerdorf mit Reetdächern, schmalen Wegen und kleinem Hafen. Gerade nach der offenen Landschaft rund ums Kap wirkt es fast wie ein Kontrastprogramm. Statt Aussichtstürmen und weitem Horizont gibt es hier kleine Häuser, Boote und eine geschützte Bucht.
Oberhalb des Dorfes steht die kleine, achteckige Uferkapelle. Ihre Geschichte beginnt Ende des 18. Jahrhunderts. Dort wurden nämlich Gottesdienste unter freiem Himmel abgehalten, damit auch die Fischer teilnehmen konnten, die während der Heringssaison nicht den weiten Weg zur Kirche nach Altenkirchen zurücklegen konnten. Später entstand an dieser Stelle die heutige Kapelle, klein und unscheinbar, aber genau deshalb einen Abstecher wert.
Noch mehr Ausflugsziele nach dem Kap Arkona
Wer noch mehr von Rügens Norden sehen möchte, kann das Kap gut mit weiteren Zielen verbinden. Besonders spannend ist der Kontrast zum Nationalpark Jasmund und Königsstuhl auf Rügen. Hier offene Felder und raue Steilküste, dort Buchenwald und Kreidefelsen. Auch Göhren zeigt noch einmal eine ganz andere Seite der Insel, und wer zwischendurch bewusst Ruhe sucht, findet beim Waldbaden an der Ostsee passende Inspiration. Wenn es lieber etwas sportlicher sein darf, erleben Sie beim SailGP auf Rügen die Ostsee von einer deutlich schnelleren Seite. Einen Überblick über weitere Sehenswürdigkeiten auf Rügen finden Sie in unserem Magazin.
Mehr als nur ein Fotostopp
Kap Arkona ist einer dieser Orte, an denen man wegen der Leuchttürme hinfährt und am Ende viel länger bleibt als geplant. Vielleicht stehen Sie zuerst auf dem Peilturm und schauen auf das berühmte Leuchtturm-Duo, folgen danach den Resten einer slawischen Burg, die langsam im Meer verschwindet, laufen bis zum tatsächlichen nördlichsten Punkt der Insel und landen irgendwann zwischen Reetdächern am Hafen von Vitt. Genau diese Mischung aus großen Ostseeblicken und stillen Wegen macht den Norden Rügens so besonders.
Wer nach einem Tag am Kap noch nicht genug von dieser wilden, ursprünglichen Seite der Insel hat, findet im Vju Hotel Rügen den passenden Ausklang. Mit Blick auf die Ostsee lässt sich hier der Tag noch einmal Revue passieren, diesmal aber vielleicht mit einem Glas Wein statt mit den Wanderschuhen.